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Hans-Werner Klein
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Japaner, die wir sind ...

14/1/2013

 
Regt sich eigentlich noch jemand über japanische Touristen auf? Ich meine die mit den ewigen Kameras vor dem Gesicht? Das war doch immer ein Thema: „Den ganzen Tag fotografieren die nur! Stän-dig! Je-der!...“

Inzwischen sind wir fast alle zu Japanern geworden, rein fotomäßig: Keine Familienfeier, kein Sportfest, kein Kindergeburtstag, wo nicht 9 von 10 Leuten eine Digitalknipse in die Luft recken. Was machen die eigentlich mit all den Bildern?, frage ich mich - oder besser gesagt: was mache ich mit all den Bildern, denn ich selber bin ja genau so? Auf Flickr stellen? - Nur eine Träne im Ozean. Foto-Community? - Viel zu viel, interessiert keinen mehr. Eigene Website? - Naja, ein Versuch. In depressiven Momenten kommt mir mein 40.000-Bilder-Archiv so sinnvoll vor wie gesammelte Kronkorken oder Nutella-Bildchen von der Fußball-WM. 

Was die Japaner mit den Bildern machen, habe ich jetzt übrigens verstanden. Das war vor dem Schloss in Versailles: Während ich noch völlig überwältigt von Gold-orgiastischer Pracht und Herrlichkeit nach fotogenen Perspektiven ringe, ist eine Gruppe kleiner japanischer Mädchen dabei, mit hochgestemmten iPads wild fuchtelnd die Szene abzulichten. Nur um sich gleich anschließend mit viel Gegacker gegenseitig die verrückten Schüsse vorzuführen. Und - ich kann's kaum fassen - gleich anschließend löschen sie die Bilder wieder, eins nach dem anderen! Haben die einen Spaß! Sonnenkönig hin oder her - völlig wurscht, der gemeinsame Fotospaß ist es, der ihnen als Erlebnis bleiben wird! Und nicht etwa mit Photoshop ziselierte, in Lightroom katalogisierte Edel-Lichbilder.

Soviel zur Fotografie von heute. Von wegen Datenbank...
henning
24/1/2013 01:45:58

Lieber Hans-Werner, Kompliment zur klugen Mischung von Bild und Wort. Was aber macht die Grenzenlosigkeit des Bildermachens mit uns? Verändert es unsere Reisegewohnheiten? Geben wir uns somit leichter der Illusion, das Fremde im wahrsten Sinne im Kasten zu haben und damit fertig? Manchmal würde ich lieber zeichnen können, das geht nicht schnell, zwingt zur Kontemplation. Herzliche Grüße
Henning

Farbenfreundin link
24/1/2013 08:44:06

..wie lustig. Ja, solch eine Episode hatte ich kürzlich auch im Fränkischen. Da haben Jungs mit dem Smartphone fotografiert, die Fotos mit einer Verfremdungssoftware verändert und gegiggelt, was das Zeug hält. Danach wurde das Foto gelöscht - auf ein Neues. Die hatten so einen Spaß, dass ich ganz neidisch war... von mir wollten sie aber offensichtich kein Foto machen.

Freu mich auf weitere Geschichten auf diesem Blog!


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    Über den Autor

    Angefangen habe ich als neugieriges Kind mit einer Kamera aus dem "Kosmos"-Baukasten „Der kleine Fotomann“. Bald darauf  strapazierte ich den Teppichboden der elterlichen Wohnung mit meinen Dunkelkammer-Experimenten. Heute fotografiere ich digital mit einer Canon EOS 5D, einer Sony NEX6 und - Foto-Fundamentalisten mal wegschauen! - einem iPhone. 

    Die Bilder bearbeite ich mit Photoshop und Adobe Lightroom und präsentiere sie per Boinx Fotomagico und Epson HD-Beamer. Manchmal mache ich auch Fotobücher daraus. 

    Obwohl es viel Spaß macht, die Bilder im Photoshop zu verbasteln, bin ich damit lieber vorsichtig: Zu schnell macht man hier zu viel. Die Foto-Community-Websites sind voll von Beachtung heischenden, grell geschminkten HDR-Bildmonstern. Das mag ich nicht. Ich will ja auch nichts verkaufen, sondern nur meine Eindrücke weitergeben. 

    Daher sind meine Bilder wirklich „so gesehen".

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